Geschichte
Der Verein wurde 1859 gegründet und ist somit das älteste Amateurorchester Wiens. Die 1812 gegründete Gesellschaft der Musikfreunde bestand neben unterstützenden auch aus sogenannten “ausübenden Mitgliedern”. Diese bestritten zahlreiche Konzerte mit namhaften Dirigenten und Solisten. Nach einer Statutenänderung bekam schließlich der Orchesterverein als Zweigverein der Gesellschaft der Musikfreunde eine eigene Identität.
Die Tradition des Orchestervereins reicht in eine Zeit zurück, als das Wort ‚Dilettant’ noch kein Schimpfwort war. Vielmehr war damit der
eigentliche Künstler gemeint, der im Gegensatz zum Berufsmusiker unentgeltlich und nur aus Liebe zur Musik spielt. Als wichtige Säule der Musikkultur des 19. Jahrhunderts gehörte (und gehört auch noch heute) das Dilettantentum zur Identität der Gesellschaft der Musikfreunde. Dies wird nicht zuletzt durch die Tatsache dokumentiert, wonach im Laufe der Geschichte zur Freude seiner Mitglieder eine Reihe bedeutender Künstler mit dem Orchester musizierten. Unter ihnen finden sich u.a. Johannes Brahms, der als Dirigent und Pianist wirkte, der Geiger Arnold Rosé, Hofopernsängerin Elisabeth Schumann, der Dirigent Lovro von Matacic sowie in der jüngeren Geschichte der Kontrabassist Ludwig Streicher und der Geiger Ernst Kovacic. Andererseits gehört es auch zur Vereinsphilosophie, die Stars von
morgen auf das Podium zu bitten. Zu diesen zählten 1934 der 16jährige Geiger Henryk Szeryng und 1956 der Pianist Alfred Brendel.
So tragend die Rolle dieses Orchesters im Wiener Musikleben des 19. und auch noch des beginnenden 20. Jahrhunderts war, so sehr musste sich das Orchester der zunehmenden Konkurrenz professioneller Klangkörper und der höher entwickelten Technik der Tonträger stellen. Der damit verbundene Wertewandel – an die Stelle der Hausmusik trat zunächst die LP und nunmehr die CD – bedrohte in der Saison 1992/93 die Existenz des Orchestervereins. Erst durch die Fusion mit einem anderen Wiener Amateurensemble, dem Gersthofer Kammerorchester, gelang es, die Tradition des Musizierens und öffentlichen Auftretens fortzusetzen. Heute finden sich nahezu alle Alters- und viele Berufsgruppen in diesem Klangkörper vereint.
So gelang es dem Orchesterverein, abgesehen von mehreren Auftritten pro Jahr im In- und Ausland, vor allem wieder in den Großen Musikvereinssaal zurückkehren. Der Erfolg dieser Konzerte führte dazu, dass es nun seit über zehn Jahren wieder Tradition ist, einmal pro Jahr im Goldenen Saal aufzutreten. Zusätzlich erfolgen auch stets Einladungen zu Konzerten verschiedener Veranstalter. Beschränkten sich die Programme bis vor wenigen Jahren auf Werke vom Barock bis zur Romantik, wagt sich das Orchester heute auch an die Realisierung von Werken des 20. Jahrhunderts und an zeitgenössische Musik. So wurde im Sommer 2003 ein Werk Fritz Keils uraufgeführt, welches dieser im Auftrag des Orchestervereins komponiert hatte.
Seit dem Herbst 2004 kooperiert die Akademische Bläserphilharmonie mit großem Enthusiasmus mit dem Orchesterverein, was eine echte Bereicherung darstellt, erschloss dies doch dem Orchester neue Klangdimensionen und erweiterte die Möglichkeiten der Programmgest
altung. Zudem wurden viele der Mitwirkenden zu Mitgliedern des Orchestervereins. Um seinen hohen Qualitätsansprüchen treu bleiben zu können, wird das aus begeisterten Amateuren bestehende Ensemble allerdings auch in Zukunft nicht mehr als drei Konzertprogramme pro Saison erarbeiten.